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Was bewegt einen Menschen, sich mit dem Thema Sterbehilfe auseinander zu setzen?

  • Saskia
  • 26. Aug. 2022
  • 3 Min. Lesezeit

Dieser Beitrag enthält Inhalte, die verstörend wirken können. Bei manchen Menschen können diese Themen negative Reaktionen auslösen. Bitte sei achtsam, wenn das bei dir der Fall ist.


Es ist ein absolutes Tabu-Thema. Warum eigentlich? Wir alle müssen eines Tages sterben, das ist unausweichlich. Dennoch wird ein großer Bogen um das Thema gemacht.


Wichtig ist zu unterscheiden: Sterbehilfe ist etwas völlig anderes als Selbstmord aus emotionaler Verzweiflung. ME/CFS Betroffene wollen nur eines: leben! Wir alle aber wissen, wie erbarmungslos ME/CFS zuschlagen kann.


Ein Viertel der Betroffenen sind so schwer erkrankt, dass sie meist komplett pflegebedürftig sind und seit Jahren, manchmal Jahrzehnten vegetieren. Ein würdevolles Leben sieht anders aus. So wünschen sie sich zumindest einen würdevollen und selbstbestimmten Tod.


In Gesprächen mit den Betroffenen ist eines sehr deutlich geworden: Die Sehnsucht nach dem Leben ist unendlich groß. Sie wollen leben, aber nicht um jeden Preis. Die Erkrankung fordert im schweren und sehr schweren Stadium ihren Tribut. Tägliche unvorstellbare, unerträgliche Schmerzen; Tage und Nächte ohne Schlaf; vorerst keine Aussicht auf Besserung. Es gibt keine Pausen, keine Erholung von diesen unbeschreiblichen Qualen.


Wie viel kann ein Mensch eigentlich ertragen? Und wie lang? Jeder, der an schwerer ME erkrankt ist, beweist ungeheuren Mut. Dazu gehört allein das Überleben mit dieser Krankheit, aber ebenso die Entscheidung, sich zu weigern, so weiterleben zu wollen. Dies gilt es zu respektieren. Jeder Mensch hat ein Recht auf einen würdevollen und schmerzfreien Tod.


Aussagen und Gedanken von Betroffenen dazu:

Es gibt ein Recht auf Leben, aber keiner darf dazu verpflichtet werden, leiden zu müssen. Der Preis für den Schutz des Lebens darf nicht die eigene Würde sein. Jedes Haustier darf notfalls erlöst werden, aber Menschen müssen in Deutschland bis zum letzten Atemzug durchhalten, selbst wenn man sich in einer medizinisch völlig ausweglosen Situation befindet. Ich war schon immer ein Befürworter der Sterbehilfe. Warum sollte der Staat sich das Recht anmaßen, Menschen zum Qualtod zu zwingen – und Ärzte zu bestrafen, die aus Menschlichkeit handeln? Wer an ME erkrankt ist, bekommt ein Gefühl, was Ewigkeit bedeuten könnte. Alleine der Verlust der kompletten Lebensqualität durch ME/CFS würde jeden Gesunden in die absolute Verzweiflung treiben. Mit der Prognose, dass der Zustand nun das Leben lang so bleiben wird, da kaum geforscht wird, vermutlich in den Suizid. Bei dieser schrecklichen Erkrankung zerbricht man an der Last der Sehnsucht und der gleichzeitigen Realisierung der Perspektivlosigkeit!

Was bewegt mich dazu, mich mit dem Thema Sterbehilfe auseinander zu setzen? Vor allem Selbstbestimmung. Ich möchte selbst entscheiden, wann es wirklich genug ist. Aber auch Angst, dass man nicht erlöst wird, wenn man wirklich nicht mehr kann und auch nicht mehr will. Angst, dass die Quälerei niemals ein Ende hat. Angst es nicht mehr auszuhalten, wirklich nicht mehr zu können und nicht mal selbstbestimmt sterben zu können. Es ist ein furchtbares Gefühl, nicht zu wissen, ob man überhaupt erlöst werden kann, selbst wenn man am Ende seiner Kräfte ist.

Für mich persönlich steht fest, dass wenn ich dauerhaft in einem menschenunwürdigen Dasein gefangen bin, dann möchte ich lieber gehen. Aber wann ist dieser Punkt gekommen oder wann gibt man die Hoffnung auf, dass man sich dann für so einen gewaltigen Schritt entscheidet? Auch wenn ich an meinen Leben hänge, möchte ich nicht in einem Zustand verweilen, in diesem ich weder kommunizieren, gewaschen werden kann und nur noch allein im dunklen Zimmer ohne persönlichen Kontakt dahinvegetiere. Dann ist für der Zeitpunkt gekommen. ME Erkrankte sollten die Entscheidung treffen dürfen, wann und wie sie gehen möchten. In Liebe und mit Hilfe und nicht als Suizid.


Empfehlenswerte Beiträge zum Thema Sterbehilfe


Jetzt geht’s ans Sterben – ein Podcast von rbb Kultur

„Wir werden alle sterben – also lasst uns endlich anfangen, entspannt mit dem Tod umzugehen. Dieser Podcast will dem Tod seinen Schrecken nehmen. Henrike Möller erzählt die Geschichten von zehn Menschen, die Erfahrungen mit Tod und Trauer gemacht haben. Persönliche Erlebnisse verbinden sich mit Informationen rund ums Thema Sterben. Immer mit dem Ziel, den Tod dort zu platzieren, wo er hingehört: mitten ins Leben.“


Wer hilft mir beim Sterben? – ein Film des WDR

„Der Film begleitet Natalja Jaxen und Harald Mayer bei der Auseinandersetzung mit ihrem eigenen Ende und stellt die Frage: Welche politischen Entscheidungen sind notwendig, um Menschen einen würdevollen Tod zu garantieren.“

 
 
 

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